Ist SeedingUp insolvent? Warten auf die Publisher-Auszahlung

Seit über zwei Jahren warte ich auf die Auszahlung meines Publisher-Guthabens bei SeedingUp. Beantragt habe ich sie am 13.08.2024, zugesagt wurde sie verbindlich bis spätestens 15.07.2026 – passiert ist bis heute nichts außer freundlichen Vertröstungen.

Ich bin damit nicht allein. In Foren, auf Bewertungsportalen und in vielen Blogs berichten Publisher von genau demselben Muster. Deshalb stellt sich die Frage, die viele von euch auch googeln: Ist SeedingUp insolvent? In diesem Beitrag dokumentiere ich meinen Fall Schritt für Schritt, fasse zusammen, was andere Betroffene berichten, und zeige, was du jetzt konkret tun kannst, um dein Geld doch noch zu bekommen.

Mein Fall: 85,85 Euro und über zwei Jahre Warten

Um den Betrag geht es mir dabei weniger als ums Prinzip: Es ist verdientes Geld für veröffentlichte Artikel, und SeedingUp hat die Zahlung schriftlich und verbindlich zugesagt. So ist der Fall bisher verlaufen:

DatumWas passiert ist
13.08.2024Ich beantrage die Auszahlung meines Publisher-Guthabens (Publisher-Guthaben: 85,85 €).
16.04.2026Rundmail an alle Publisher „Information zu offenen Auszahlungen“: Entschuldigung für lange Wartezeiten, Verweis auf die AGB und die Ankündigung verbindlicher Auszahlungstermine.
16.04.2026Zwei Stunden später die „Verbindliche Information zur Auszahlung“: Der Betrag werde „spätestens bis zum 15.07.2026 ausgezahlt“.
15.07.2026SeedingUp erstellt die Gutschriftsanzeige mit der Ankündigung der Auszahlung. Auf meinem Konto kommt nichts an.
16.07.2026Ironie am Rande: Ich bekomme eine Werbemail, ich solle doch wieder Angebote auf dem Marktplatz einstellen.
Ende Juli 2026Ich frage per Kontaktformular nach, wann die Zahlung kommt. Die Bankverbindung im Account ist korrekt.
05.08.2026Antwort des Supports: Die Buchhaltung sei informiert, man bitte um Geduld.
25.08.2026Erneute Nachfrage. Die Webseite von SeedingUp ist zu diesem Zeitpunkt offline.
02.09.2026Fast wörtlich dieselbe Antwort: an die Finanzbuchhaltung weitergeleitet, bitte noch etwas Geduld.
24.09.2026Ich setze eine letzte Frist bis 05.10.2026 und frage direkt, ob die Firma Zahlungsschwierigkeiten hat. Darauf kommt keine Reaktion.
Oktober 2026Ich kündige das gerichtliche Mahnverfahren an.
20.10.2026Antwort: Die Info sei „zur Überprüfung“ an die Buchhaltung gegangen, ich werde „automatisch informiert“.
04.11.2026Stand heute: kein Geld, keine neue Nachricht. Den Mahnbescheid habe ich bewusst noch nicht beantragt (mehr dazu im Fazit).

Bemerkenswert finde ich zwei Dinge. Erstens beruft sich SeedingUp auf § 6 seiner AGB, nach dem Auszahlungsanfragen bei aktiven Konten „bis zu 24 Monate“ gesammelt werden dürfen. Selbst diese Frist ist bei mir seit dem 13.08.2026 abgelaufen. Zweitens hat das Unternehmen den 15.07.2026 selbst als verbindlichen spätesten Termin genannt – und ihn dann einfach verstreichen lassen.

In der Rundmail vom April nennt SeedingUp auch Gründe: Das Geschäft mit Blogartikeln sei durch KI-Inhalte und sinkende Nachfrage eingebrochen, ein neues Plattformprojekt mit einem externen Partner sei gescheitert, und Mittel seien durch rechtliche Unsicherheiten blockiert. Gleichzeitig heißt es dort: Jeder Publisher erhalte seine volle Vergütung.

Was andere Publisher berichten

Mein Fall ist kein Einzelfall, sondern folgt einem Muster, das sich seit Anfang 2024 durch viele Berichte zieht: Auszahlungen dauern immer länger, der Support vertröstet, Zusagen werden nicht eingehalten.

  • Huskynarr.de (Juni 2024): Bis 2020 kamen Auszahlungen laut Autor innerhalb von 24 Stunden, ab Februar 2024 dauerten sie „einen Monat oder länger“. Er wartete auf 296,34 € und hat Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart erstattet. (Artikel)
  • ABAKUS-Forum (Thread seit 06.08.2024): Mehrere Nutzer berichten von ausbleibenden Zahlungen. Einer hat einen Mahnbescheid beantragt, gegen den SeedingUp Widerspruch einlegte; er klagt nun. Ein anderer wartet seit Oktober 2024 auf rund 470 €, ein weiterer erhielt eine Mail, nach der seine Rechnung erst im Februar 2027 bezahlt werden soll. (Thread)
  • Xgadget.de (zuletzt aktualisiert am 26.10.2026): Der Autor wartet seit August 2024 auf 375,50 €. Auch seine im Juli 2026 bestätigte Gutschrift ist nicht eingegangen. Ein Publisher habe sogar einen vollstreckbaren Titel über 1.100 € erwirkt, ohne bisher Geld zu sehen. Ein Kommentator berichtet von kleinen Teilzahlungen im Juni 2026, die Zahlung zum 15. Juli blieb aber aus. (Artikel)
  • Trustpilot: SeedingUp kommt auf einen TrustScore von 1,5 von 5 bei 119 Bewertungen. Die zehn neuesten Bewertungen haben alle einen Stern, auf keine davon hat das Unternehmen geantwortet. Die jüngste vom 07.09.2026 meldet ebenfalls eine nicht erreichbare Webseite. (Trustpilot)

Weitere Erfahrungsberichte findest du bei social-bookmark-script.de, internetblogger.de, der-pranger.info, hdsports.de und andydunkel.net.

Ist SeedingUp insolvent? Die Faktenlage

Kurze Antwort: Ein offizielles Insolvenzverfahren ist mir bis heute (04.11.2026) nicht bekannt. Weder in den öffentlich einsehbaren Registerdaten noch in den Berichten Betroffener taucht ein Insolvenzantrag auf. „Nicht insolvent gemeldet“ heißt aber nicht „zahlungsfähig“.

Das ist über das Unternehmen bekannt:

  • Firma: SeedingUp GmbH, Amtsgericht Stuttgart HRB 720138, Geschäftsführer laut Impressum und E-Mail-Signatur Andreas Armbruster. Die Firma ging aus der teliad Internetmarketing GmbH hervor (gegründet 2005, Umbenennung 2014). (North Data)
  • Adresse: Laut Registerdaten wurde die Geschäftsadresse zuletzt am 29.01.2025 geändert, heute Waiblinger Straße 11, 70372 Stuttgart.
  • Jahresabschlüsse: Zuletzt veröffentlicht wurde der Abschluss für 2023, und zwar erst im März 2026. Nach Angaben von Huskynarr.de wies schon das Jahr 2021 einen Verlust von rund 145.000 € aus.
  • Eigene Aussagen: In der Rundmail vom April 2026 spricht SeedingUp selbst von einem eingebrochenen Geschäftsmodell, einem gescheiterten Investitionsprojekt und blockierten Mitteln. Zugleich ist von einem möglichen „vollständigen Neustart in neuer Form“ die Rede.
  • Webseite: Im August und September 2026 war seedingup.de zeitweise nicht erreichbar.

Mein Eindruck: Alles deutet auf massive Liquiditätsprobleme hin. Ob und wann daraus ein Insolvenzverfahren wird, kann niemand von außen sagen. Prüfe den aktuellen Stand selbst auf insolvenzbekanntmachungen.de (Suche nach „SeedingUp“, Gericht Stuttgart) – dort werden alle Insolvenzverfahren in Deutschland amtlich veröffentlicht.

Was du als Betroffener jetzt tun kannst

Wer weiter nur freundlich nachfragt, steht am Ende ganz hinten in der Schlange. Diese Schritte haben sich bei mir und anderen Betroffenen als sinnvoll herausgestellt – in dieser Reihenfolge:

  1. Beweise sichern. Mach Screenshots deines SeedingUp-Accounts mit Gutschriftsnummer, Betrag, Datum und Status. Speichere alle E-Mails, besonders die „verbindliche“ Terminzusage. Falls die Webseite wieder offline geht, kommst du sonst nicht mehr an die Daten.
  2. Schriftlich mahnen mit konkreter Frist. Fordere die Zahlung per E-Mail auf und setze ein festes Datum, etwa 10 bis 14 Tage. Nenne Gutschriftsnummer, Betrag und den zugesagten Termin. Spätestens nach Ablauf dieser Frist ist SeedingUp in Verzug.
  3. Verzugskosten geltend machen. Bist du als Publisher gewerblich tätig, kannst du unter Unternehmern Verzugszinsen von 9 Prozentpunkten über dem Basiszins und eine Pauschale von 40 € verlangen (§ 288 BGB).
  4. Gerichtlichen Mahnbescheid beantragen. Das geht online über online-mahnantrag.de, ohne Anwalt. Bei kleinen Beträgen fällt nur eine geringe Gerichtsgebühr an, die SeedingUp bei Erfolg erstatten muss. Widerspricht SeedingUp nicht, beantragst du den Vollstreckungsbescheid – damit hast du einen Titel, der 30 Jahre gilt.
  5. Bei Widerspruch: Klage prüfen. Legt SeedingUp Widerspruch ein, geht das Verfahren an das Amtsgericht. Bei kleinen Beträgen brauchst du dort keinen Anwalt, aber Zeit und Nerven. Eine Rechtsschutzversicherung oder eine Erstberatung beim Anwalt kann sich lohnen.
  6. Mit Titel vollstrecken. Mit dem Vollstreckungsbescheid kannst du den Gerichtsvollzieher beauftragen oder eine Vermögensauskunft verlangen. Wichtig: Wird kurz darauf ein Insolvenzantrag gestellt, können Vollstreckungen aus dem letzten Monat davor unwirksam werden.
  7. Verjährung im Blick behalten. Forderungen verjähren in der Regel nach drei Jahren, gerechnet ab Ende des Jahres, in dem sie entstanden sind. Für Gutschriften aus 2024 heißt das: Spätestens bis Ende 2027 musst du handeln. Ein Mahnbescheid hemmt die Verjährung.
  8. Im Insolvenzfall: Forderung anmelden. Wird ein Insolvenzverfahren eröffnet, meldest du deine Forderung beim Insolvenzverwalter zur Insolvenztabelle an. Name und Frist stehen in der Bekanntmachung auf insolvenzbekanntmachungen.de. Rechne dann aber nur mit einem Bruchteil des Betrags.
  9. Steuern prüfen. Hast du die Gutschrift bereits als Einnahme versteuert, kannst du die Umsatzsteuer bei einem endgültigen Ausfall unter Umständen berichtigen (§ 17 UStG). Kläre das mit deinem Steuerberater.
  10. Keine neuen Aufträge ohne Vorkasse. Nimm über SeedingUp keine neuen Veröffentlichungen an, solange alte Gutschriften offen sind.
  11. Erfahrungen sachlich teilen. Bewertungen auf Trustpilot und Beiträge in Foren warnen andere Publisher. Bleib bei Tatsachen (Datum, Betrag, Zusage) und vermeide Vorwürfe wie „Betrug“, die du nicht beweisen kannst.

Eine Strafanzeige haben einige Betroffene bereits gestellt. Sie bringt dir allerdings kein Geld zurück; dafür ist allein der zivilrechtliche Weg über Mahnbescheid und Vollstreckung da.

Hinweis: Ich bin kein Anwalt. Dieser Beitrag gibt meine Erfahrungen und allgemeine Informationen wieder und ersetzt keine Rechtsberatung.

Fazit: Nicht mehr auf Zusagen verlassen

SeedingUp war über viele Jahre ein zuverlässiger Partner für Blogger – umso enttäuschender ist die Entwicklung. Offiziell insolvent ist das Unternehmen nach heutigem Stand nicht. Aber wer eine „verbindliche“ Frist verstreichen lässt und seither nur noch Textbausteine verschickt, hat das Vertrauen verspielt.

Ich selbst habe den Mahnbescheid bisher bewusst nicht beantragt. Er verursacht weitere Kosten, und andere Betroffene berichten, dass SeedingUp die Forderung bestreitet – dann wird aus einem Mahnbescheid schnell ein Gerichtsverfahren. Ich warte deshalb ab, wie die ersten Klagen ausgehen, und leite bei Erfolg die nötigen Schritte ein. Wer ebenfalls abwartet, sollte die Verjährung im Blick behalten: Für Forderungen aus 2024 ist Ende 2027 Schluss. Bei höheren Beträgen kann sich der Mahnbescheid dagegen schon jetzt lohnen. Sichere in jedem Fall deine Belege und mahne schriftlich mit Frist. Ich werde diesen Beitrag aktualisieren, sobald sich in meinem Fall etwas tut.

Wie sieht es bei dir aus? Wartest du auch noch auf eine Auszahlung von SeedingUp, oder hast du dein Geld inzwischen bekommen? Schreib es gern in die Kommentare – jeder Erfahrungsbericht hilft anderen Betroffenen.

Quellen

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